Dienstag, 10. Mai 2005

Mietnomaden auf dem Vormarsch

Immer mehr Mieter können oder wollen ihre Mieten nicht bezahlen. „Dieses Problem tritt bayernweit immer häufiger auf, ohne dass zwangsläufig eine Konzentration auf städtische oder eher ländliche Gebiete zu verzeichnen ist“, berichtet die Vorsitzende von Haus & Grund Bayern, Dr. Ulrike Kirchhoff. Die Ursachen lassen sich im Wesentlichen in zwei Kategorien einteilen: Die weitaus meisten Mieter sind offensichtlich in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten und kommen daher ihren Zahlungsverpflichtungen auch bei der Miete nicht mehr nach. Dies äußert sich auch in der steigenden Zahl der Privatkonkurse.

Zugleich gibt es jedoch immer mehr Mieter, die ihre Zahlungsverpflichtungen zwar begleichen könnten, dies jedoch nicht wollen. Typischerweise zahlen diese Mieter noch die ersten zwei oder drei Mieten und stellen die Zahlungen dann ein. Den Vermietern bleibt zwar das Mittel der Kündigung und der anschließenden Räumungsklage, doch löst das nicht das Problem. Denn die Mietausfälle bringen die betroffenen Vermieter in enorme Schwierigkeiten, insbesondere wenn aus den Mieteinnahmen der Schuldendienst für noch kreditfinanzierte Immobilien erbracht werden muss. „Häufig gerät auch die Altersversorgung in Gefahr, für die die Einkünfte aus der Immobilie benötigt werden“, so RA Rudolf Stürzer, Aufsichtsratsvorsitzender von Haus & Grund Bayern. Die betroffenen Eigentümer geraten so unverschuldet in erhebliche Probleme. Ausstehende Mieten können zwar eingeklagt werden, doch ist bei diesen Mietern oft nichts mehr zu holen.

Es häufen sich auch die Fälle, in denen der Vermieter nicht nur um die Miete geprellt wird, sondern in denen auch erhebliche Schäden und Verwüstungen in der Wohnung zurückbleiben. „Da müssen oft vier- bis fünfstellige Beträge investiert werden, bis die Wohnung wieder vermietbar ist“, so die Vorsitzende des Landesverbandes.

Geprellte Betroffene geraten dadurch erst recht in Schwierigkeiten. Die Motivation, die Wohnung erneut zu vermieten, auch wenn die Einnahmen benötigt werden, sinkt zwangsläufig.

Bis der Vermieter den langen Instanzenweg durchschritten hat, vergeht bisher zu viel Zeit. Hier wäre es dringend erforderlich, dass entsprechende Kündigungs- und Räumungsverfahren schnell verhandelt werden, so dass der Instanzenweg nicht noch den zahlungsunwilligen Mieter begünstigt. Der Rechtsschutz des Einzelnen ist notwendig, darf aber nicht zu Lasten der wirklich Geschädigten gehen.

Dr. Ulrike Kirchhoff

Vorsitzende

Haus & Grund Bayern e.V.